NEL-Aktie im Aufwind: NEL ist weit mehr als nur ein Wasserstoff-Produzent

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• NEL-Aktie kletterte in drei Jahren um mehr als 700 Prozent • NEL entwickelt mit Partner einen Wasserstoff-Zug • Trotz Pandemie stiegen die Umsätze um 14,4 Prozent Das norwegische Unternehmen NEL mit Sitz in Oslo hat sein gesamtes Geschäftsmodell auf die Herstellung sowie die Nutzung, Verteilung und Speicherung von Wasserstoff ausgerichtet, welcher aus elektrischer Energie…

NEL-Aktie im Aufwind: NEL ist weit mehr als nur ein Wasserstoff-Produzent
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• NEL-Aktie kletterte in drei Jahren um mehr als 700 Prozent


• NEL entwickelt mit Partner einen Wasserstoff-Zug


• Trotz Pandemie stiegen die Umsätze um 14,4 Prozent

Das norwegische Unternehmen NEL mit Sitz in Oslo hat sein gesamtes Geschäftsmodell auf die Herstellung sowie die Nutzung, Verteilung und Speicherung von Wasserstoff ausgerichtet, welcher aus elektrischer Energie erzeugt wird. Der Konzern ist damit so erfolgreich, dass die zugrundeliegenden Anteilsscheine schon seit mehreren Jahren nur noch eine Richtung kennen – steil bergauf.

NEL-Aktie legte in drei Jahren um mehr als 700 Prozent zu

Mit einem aktuellen Aktienkurs von 25,22 Norwegischen Kronen, umgerechnet rund 2,41 Euro, bringen es die Norweger mittlerweile sogar auf eine Marktkapitalisierung in Höhe von insgesamt ca. 3,4 Milliarden Euro (Stand: Schlusskurse vom 26. Februar 2021). Dementsprechend zählt NEL schon seit längerem zu den größten Unternehmen aus Norwegen und ist Mitglied des OBX (Oslo Børs Index), dem norwegischen DAX-Pendant. Mit einem Indexgewicht von 2,55 Prozent belegt das Unternehmen gegenwärtig sogar den zwölften von insgesamt fünfundzwanzig Plätzen im OBX.

Die Relevanz und Präsenz des Unternehmens hat sich dabei,
vor allem aufgrund des globalen Hypes rund um Wasserstoff, in den vergangenen Jahren und Monaten extrem erhöht. So gelang es dem Konzern, die Performance des OBX in den zurückliegenden drei Jahren um ein Vielfaches zu übertreffen. Während der OBX zwischen Ende Februar 2018 und Ende Februar 2021 nur ca. 18 Prozent zulegen konnte, kletterten die Anteilsscheine des Wasserstoffspezialisten im gleichen Zeitraum umgerechnet von gut 0,32 Euro auf aktuell rund 2,41 Euro und generierten somit eine atemberaubende Performance in Höhe von mehr als 650 Prozent (Stand: 26. Februar 2021).

Traditionskonzern mit Startup Performance

Die beeindruckende Kursperformance der NEL-Aktie erinnert zwangsläufig an ein modernes und junges Startup-Unternehmen, doch im Gegensatz zu vielen Mittbewerbern aus der Branche wie zum Beispiel PowerCell Sweden, ITM Power, Nikola Motors, McPhy Energy oder Clean Power Capital blickt NEL nicht nur auf eine Firmenhistorie von wenigen Jahren, sondern mehreren Jahrzehnten zurück.

Denn das Unternehmen wurde schon im Jahr 1927 gegründet und installierte direkt nach der Gründung in einer Fabrik von Norsk Hydro, einem in Oslo beheimateten Aluminiumproduzenten, seinen ersten Elektrolyseur. Ein Elektrolyseur ist ein Gerät, welches mit Hilfe der Elektrolyse Wasser in seine Grundkomponenten Wasserstoff und Sauerstoff zerlegen kann.

Darüber hinaus errichtete der Konzern im Jahr 1940, rund 13 Jahre nach der Gründung, die größte Wasserstoffproduktionsanlage der Welt. Aufgrund der langjährigen Erfahrung auf diesem Gebiet zählt NEL gegenwärtig zu den Weltmarktführern in diesem Bereich.

NEL produziert nicht nur Wasserstoff

Der norwegische Wasserstoffspezialist NEL hat seine Geschäftstätigkeiten in den zurückliegenden Jahren immer weiter und konsequenter ausgebaut. So ist das Unternehmen mittlerweile auch abseits der Produktion von Wasserstoff aktiv. Zwar liegt der Fokus des Konzerns seit Langem auch auf der Herstellung von sogenanntem grünem Wasserstoff, also Wasserstoff, welcher nicht mit Kohlestrom erzeugt wird, sondern mithilfe von erneuerbaren Energien, jedoch konzentriert sich das Unternehmen darüber hinaus nun ebenfalls verstärkt auf Projekte, die nicht unmittelbar mit der Herstellung von Wasserstoff zu tun haben.

Entsprechend ging das Unternehmen in den zurückliegenden Jahren mehrere Kooperationen ein, die es ermöglicht haben, dass NEL nun fast die gesamte Wasserstoffwertschöpfungskette abdecken kann. Zusammen mit den Mitbewerbern PowerCell Sweden und Hexagon Composites gründetet der Konzern schon im Jahr 2017 ein Joint Venture mit dem Namen HYON, welches unter anderem an modularen Brennstoffzellenlösungen in der maritimen Industrie arbeitet.

Aufgrund immer strengeren Emissionsvorgaben trifft NEL zusammen mit seinen beiden Partnern damit genau den Nerv der Zeit. Denn die Tatsache, dass der globale Schiffsverkehr für einen Großteil der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist, macht das Thema saubere Schiffsmobilität zu einem zwangsläufigen Zukunftstrend. Dabei ist HYON eines der ersten Unternehmen überhaupt, welches eine Zulassung für den Marinebereich erhalten hat.

Brennstoffzellen eignen sich nicht nur für Schiffe

Neben HYON ist NEL seit Juni 2019 auch Teil des H2Bus-Konsortiums. Dieser Zusammenschluss hat sich zum Ziel gesetzt, die Vermarktung sowie die Entwicklung von Brennstoffzellenbussen voranzutreiben. Die Mitglieder des Konsortiums, zu welchem unter anderem Unternehmen wie Ballard Power und Hexagon zählen, möchten bis zum Jahr 2023 mindestens 1.000 Busse mit einem Brennstoffzellenantrieb ausstatten. Außerdem
planen die Konzerne die Inbetriebnahme eines Wasserstoff-Zugs, welcher erstmals in Deutschland getestet werden soll.

Umsatzwachstum trotz Pandemie und Explosion

Während viele Unternehmen ihre Umsätze 2020 im Vergleich zum Vorjahr, wenn überhaupt, stabil halten konnten, erzielten die Norweger im zurückliegenden Jahr trotz der Pandemie ein Umsatzplus in Höhe von 14,4 Prozent. Der höhere Umsatz ging dabei jedoch mit einem ebenfalls höheren operativen Verlust einher. Dieser Verlust ist im Wesentlichen den steigenden Investitionssummen und einer Strafzahlung geschuldet.

Die Strafzahlung in Höhe von insgesamt rund 20 Millionen Norwegischen Kronen bezog sich in diesem Zusammenhang auf die Explosion einer von NEL gebauten Wasserstoff-Tankstelle. Eine intensive Untersuchung des Unglücksortes ergab nämlich, dass ein Montagefehler an einem der Hochdrucktanks zu der Verpuffung führte. Die entzündete Wasserstoff-Gaswolke richtete, bis auf einen Sachschaden und wenige Leichtverletzte, jedoch keine größeren Schäden an. Entsprechend konnte sich die Aktie nach diesem außergewöhnlichen Ereignis wieder sehr schnell erholen.

Große Ziele bis 2025

Trotz der Gegebenheit, dass es sich bei NEL um ein regelrechtes Traditionsunternehmen im Bereich der Wasserstoff-Produktion handelt, wird das Unternehmen an der Börse gegenwärtig eher wie ein Growth-Newcomer bewertet. Denn den 3,4 Milliarden Euro Börsenwert stehen zum aktuellen Zeitpunkt keine relevanten Gewinne entgegen (Stand: 26. Februar 2021).

Entscheidend für die zukünftige Entwicklung der NEL-Aktie sind somit einzig und allein das Wachstum, die Aussichten und die Perspektiven des Konzerns. Mit einem Kassenbestand in Höhe von 2,3 Milliarden Norwegischen Kronen muss sich das Unternehmen darüber hinaus erst einmal jedoch noch keine Gedanken über die weitere Finanzierung zukünftiger Projekte machen.

So hat es sich NEL beispielweise zum Ziel gesetzt, bereits im Jahr 2025 für nur 1,5 US-Dollar je Kilogramm grünen Wasserstoff herzustellen, welcher dann auch preislich mit sogenanntem grauem Wasserstoff – dieser wird aus fossilen Brennstoffen gewonnen – mithalten könnte. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen errichtet der Konzern aktuell eine neue Wasserstoff-Fabrik, die nach ihrer Fertigstellung eine jährlichen Gesamtleistung von mehr als zwei Gigawatt haben soll. Diese Produktionsstätte, die aktuell in Herøya gebaut wird, könnte nach Angaben des Unternehmens womöglich sogar schon im dritten Quartal 2021 in Betrieb genommen werden.

Ein Vorreiter im Wasserstoff-Sektor

Alles in allem gibt sich der Konzern aktuell also sehr große Mühe um seine Vorreiterrolle in der Wasserstoff-Branche weiterhin zu behaupten bzw. auszubauen. Dementsprechend bleiben auch die weiteren Aussichten des Konzerns sehr positiv, denn NEL hat sich gerade in den vergangenen Jahren immer breiter aufgestellt und produziert nun nicht nur grünen Wasserstoff und rüstet Wasserstoff-Tankstellen aus, sondern arbeitet ebenfalls an einer umfassenden Implementierung der Brennstoffzelle im modernen Verkehrswesen.

Ob sich die NEL-Aktie nach Kursrally der vergangenen drei Jahre nun noch als Investment lohnt, ist allerdings zumindest kurz- und mittelfristig mehr als fraglich. Sofern Wasserstoff und Brennstoffzellenantriebe weiterhin das große Thema an der Börse und in der Realwirtschaft bleiben, ist es jedoch auch durchaus denkbar, dass der Konzern schon sehr bald in seine aktuelle Bewertung hineinwächst.

Pierre Bonnet / Redaktion finanzen.net

Bildquellen: NEL ASA

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