Elektroautos: Der schwierige Abschied vom Verbrenner

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Mercedes folgt dem Branchentrend. BMW hatte bereits im vergangenen November erklärt, ab 2024 keine Verbrennungsmotoren mehr in Deutschland bauen zu wollen. Konzernkreisen zufolge will BMW die Absatzplanung für Stromautos kommende Woche noch einmal erhöhen. Volkswagen drückt ebenfalls aufs Tempo. Die Wolfsburger wollen bis Ende des Jahrzehnts sieben von zehn Autos mit Stromantrieb ausliefern, sagte Markenchef…

Elektroautos: Der schwierige Abschied vom Verbrenner
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Mercedes folgt dem Branchentrend. BMW hatte bereits im vergangenen November erklärt, ab 2024 keine Verbrennungsmotoren mehr in Deutschland bauen zu wollen. Konzernkreisen zufolge will BMW die Absatzplanung für Stromautos kommende Woche noch einmal erhöhen. Volkswagen drückt ebenfalls aufs Tempo. Die Wolfsburger wollen bis Ende des Jahrzehnts sieben von zehn Autos mit Stromantrieb ausliefern, sagte Markenchef Ralf Brandstätter am Freitag. Die Rivalen Jaguar und Volvo haben sich mit 2025 und 2030 sogar bereits feste Enddaten für die Verbrennertechnik gesetzt

So weit gehen die Deutschen noch nicht. Doch der Druck auf die Konzerne wächst. Die verschärften EU-Klimavorgaben lassen sich mit Verbrennungsmotoren kaum noch erreichen. Nun beginnt ein Kraftakt, auch für die Beschäftigten. Viele der 18.000 Beschäftigten in Untertürkheim werden umgeschult, ein Teil versetzt, ein Teil der Arbeitsplätze fällt weg. Entlassen wird niemand: Daimler hat eine Jobgarantie bis 2029, bei Volkswagen gibt es auch eine entsprechende Zusage.

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Sicher ist: Der Umbau der Autoindustrie vollzieht sich schneller als bislang gedacht. Spätestens ab der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts werden wohl die meisten Autos entweder einen Hybrid- oder einen reinen Elektroantrieb haben. Ein wesentlicher Treiber ist die Entscheidung der EU-Kommission, die Reduktion der Treibhausgase bis 2030 auf 55 Prozent gegenüber 1990 zu erhöhen. Hinzu kommt die neue Abgasnorm EU-7, die ab 2025 in Kraft tritt. Die weitere Verschärfung der Grenzwerte für Stickoxide treibt die Kosten für Verbrenner.

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Vorbereiten muss sich die Industrie auf eine Welt ohne Verbrennungsmotoren bereits jetzt. Dazu zwingen die langen Entwicklungszyklen und die hohen Investitionen, die über Jahre getätigt werden müssen. Hinzu kommt die Transformation der Beschäftigten. Bei Volkswagen, Daimler, BMW und den Zulieferern arbeiten Zehntausende in der Produktion von konventionellen Motoren. Über die Mitbestimmung üben die Beschäftigten in den Aufsichtsräten Druck aus. Sie verlangen Arbeitsplatzgarantien, Umschulungen und Investitionen in Standorte.

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Beispiel BMW: Die Münchener haben schon seit 2013 mit dem i3 ein Elektroauto auf dem Markt, doch bislang nur als Nischengeschäft. Nun sollen Stromautos in die Masse, jede Reihe bekommt mindestens ein elektrisches Modell. Ab 2022 soll jedes der vier großen deutschen BMW-Werke Elektroautos bauen. Die stehen heute noch auf einer auf Verbrenner ausgelegten Struktur, ab 2025 soll aber alles auf „electric first“ umgestellt werden. Bereits jetzt hat der Konzern weltweit 46.000 Beschäftigte auf Elektromobilität umgeschult, sagt Personalvorständin Ilka Horstmeier. Das ist fast die Hälfte der Belegschaft.

Wie bei Mercedes in Stuttgart ist auch München das Herz des Motorenbaues. Ab 2024 werden die „Bayerischen Motorenwerke“ aber keine Motoren mehr in ihrer Heimat bauen. Sechs- und Zwölfzylinder werden dann nach England verlagert. Vierzylinder kommen demnächst nur noch aus dem österreichischen Steyr.

Um den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat die Zustimmung zu erleichtern, hat BMW-Chef Oliver Zipse hohe Investitionen in die deutschen Werke zugesagt. Die frei werdende Fläche in München wird für die Produktion des i4 genutzt. Bislang gilt als Ziel, 2025 ein Drittel des Absatzes mit Stromautos zu machen. Auf der Bilanzpressekonferenz will Konzernchef Zipse diese Zahlen noch einmal heraufsetzen.

Die Münchener haben schon seit 2src13 mit dem i3 ein Elektroauto auf dem Markt, doch bislang nur als Nischengeschäft. Nun sollen die Stromautos in die Masse. Quelle: dpa

BMW i3 an der Ladestation

Die Münchener haben schon seit 2013 mit dem i3 ein Elektroauto auf dem Markt, doch bislang nur als Nischengeschäft. Nun sollen die Stromautos in die Masse.



(Foto: dpa)

Auch Volkswagen steht unter Strom. Weil die EU Ziele verschärft werden, will Volkswagen noch mehr Elektroautos produzieren. Bis 2030 sollen in Europa nun 70 Prozent der Gesamtverkäufe auf diese Antriebe entfallen, kündigte Markenchef Ralf Brandstätter an. Das bedeutet eine Verdoppelung der bislang geplanten Quote für batterieelektrische Fahrzeuge von 35 Prozent.

„2026 will der VW-Konzern letztmals eine neue Plattform für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren vorstellen“, kündigt Vorstandschef Herbert Diess an. Damit ist nicht gesagt, wann tatsächlich das letzte Auto mit Diesel- oder Benzinmotor vom Band laufen wird. Diess sieht die Verantwortung dafür aufseiten der Politik. Politische Entscheider legten fest, wie lange es die Verbrenner noch geben werde.

Die Entscheidung darüber falle allerdings von Land zu Land und von Region zu Region unterschiedlich aus. Als Weltkonzern müsse Volkswagen darauf reagieren – und entsprechend einmal früher und einmal später das letzte Auto mit Verbrennungsmotor verkaufen. „Wir erwarten also weiterhin unterschiedliche Geschwindigkeiten beim Wechsel zur Elektromobilität“, sagt Diess.

Für die Autohersteller ist das keine komfortable Lage, sie müssen eine gewisse Zeit beide Antriebsarten weiterentwickeln. Das kostet Entwicklungskapazitäten und damit sehr viel Geld. Produktion und Vertrieb werden ungleich komplizierter gegenüber reinen Elektroanbietern wie Tesla. Auch deshalb reifen in den Konzernzentralen nun die Überlegungen, schneller aus der Verbrennertechnik auszusteigen. Kleinere Konkurrenten haben den Schritt bereits gemacht.

„2src26 will der VW-Konzern letztmals eine neue Plattform für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren vorstellen“, kündigt Vorstandschef Herbert Diess an. Quelle: dpa

VW-Chef Herbert Diess

„2026 will der VW-Konzern letztmals eine neue Plattform für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren vorstellen“, kündigt Vorstandschef Herbert Diess an.



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Doch für ein Dickschiff wie Volkswagen mit seinen zwölf Marken und 600.000 Beschäftigten sind radikale Szenarien schwer umzusetzen. Immerhin attestieren Beobachter der Automobilbranche Volkswagen, ganz wesentliche Fortschritte beim Ausbau seines Elektroangebots gemacht zu haben. „Im Vergleich zu anderen klassischen Autoherstellern wie General Motors und Hyundai hat Volkswagen mit seiner Entwicklung einer eigenständigen Elektroplattform einen Vorsprung von drei Jahren“, unterstreicht Patrick Hummel, Automobilanalyst bei der Schweizer Großbank UBS.

Technisch gesehen ist die jetzt verkaufte ID-Modellfamilie bereits wieder drei bis vier Jahre alt. Mit dem neuen für das Wolfsburger Stammwerk geplanten „Trinity“-Projekt soll der Elektroantrieb auf die nächste Stufe gehoben werden.

„Trinity ist so etwas wie ein Kristallisationspunkt, ein Leuchtturmprojekt“, betont VW-Marken-CEO Ralf Brandstätter. Die neue Fahrzeugarchitektur werde dafür sorgen, dass sich Reichweite, Ladegeschwindigkeit und das angebotene Softwarepaket deutlich verbessern. Mit Trinity will VW zudem die Angebote der einzelnen Marken vereinheitlichen.

Getrieben werden die Autohersteller zunehmend auch von ihren Kunden, die immer mehr nach Elektroautos fragen. Auch dank üppiger Förderungen lag der Elektroanteil bei den Verkäufen in Deutschland Ende 2020 schon bei 13,5 Prozent. „Bald kann man sich nicht mehr sicher sein, ob man sein Auto mit Verbrennungsmotor noch verkaufen kann“, sagt Frank Schwope, Automobilanalyst bei der NordLB in Hannover.

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