Kommentar: Eine Zweiklassengesellschaft bei der Kryptoregulierung ist ungerecht – aber sinnvoll

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Wenn die Aufseher den Banken strikte Regeln für Bitcoin & Co vorgeben, ist das zugleich richtig und falsch. Die Regulierer müssen daher flexibel bleiben. Ein Bitcoin-Banner, gestaltet von den Künstlerinnen Stacey Coon, Anastasia Sultzer, und Nanu Berk Wegen der heftigen Kursauschläge von Kryptowährungen wie Bitcoin wollen die Regulierer den Banken strenge Vorgaben für den Umgang…

Kommentar: Eine Zweiklassengesellschaft bei der Kryptoregulierung ist ungerecht – aber sinnvoll
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Wenn die Aufseher den Banken strikte Regeln für Bitcoin & Co vorgeben, ist das zugleich richtig und falsch. Die Regulierer müssen daher flexibel bleiben.

Wegen der heftigen Kursauschläge von Kryptowährungen wie Bitcoin wollen die Regulierer den Banken strenge Vorgaben für den Umgang mit den digitalen Währungen machen. Quelle: AFP

Ein Bitcoin-Banner, gestaltet von den Künstlerinnen Stacey Coon, Anastasia Sultzer, und Nanu Berk

Wegen der heftigen Kursauschläge von Kryptowährungen wie Bitcoin wollen die Regulierer den Banken strenge Vorgaben für den Umgang mit den digitalen Währungen machen.


(Foto: AFP)

Wenn es um die Regulierung von Finanzinnovationen geht, dann stehen die Aufseher jedes Mal vor dem gleichen Dilemma: Auf der einen Seite gilt es Stabilitätsrisiken zu minimieren, auf der anderen Seite darf der technologische Fortschritt nicht „totreguliert“ werden.

Welche Auswirkungen das in der Praxis hat, zeigt sich bei den Vorschlägen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) für die Regulierung der Kryptowelt. Die BIZ ist eine Art Zentralbank der Zentralbanken, der bei ihr angesiedelte Basler Ausschuss für Bankenaufsicht will klassische Kryptowährungen wie den Bitcoin den schärfsten Kapitalanforderungen unterwerfen. Banken müssten damit deutlich höhere Kapitalrückstellungen für Kryptowährungs-Positionen bilden als für andere Anlageklassen, etwa für Anleihen oder Aktien.

Dieser Vorschlag ist zugleich richtig und falsch. Richtig ist er, weil immer mehr Banken darüber nachdenken, in großem Stil ins Kryptogeschäft einzusteigen. Solange digitale Währungen so aberwitzigen Kursausschlägen ausgesetzt sind wie in diesem Jahr, bleibt den Regulierern gar nichts anderes übrig, als die Risiken entschlossen zu begrenzen. Zur Erinnerung: Nach einer tollkühnen Rekordjagd hat sich der Wert des Bitcoin seit Mitte April beinahe halbiert.

Falsch ist der Vorschlag, weil die Banken damit deutlich strenger reguliert würden als andere Spieler. Unter dem Stichwort Decentralized Finance, kurz DeFi entwickelt sich in der Kryptowelt gerade ein alternatives Finanzsystem, das ohne Mittelsmänner wie Banken und Börsen auskommen soll. Der dezentrale Charakter dieser Netze bedeutet, dass die DeFi-Firmen die harten Regeln zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung kaum erfüllen können. Dagegen müssen die Banken für die Einhaltung dieser Bestimmungen einen enormen Aufwand betreiben. Ähnliches gilt für den Verbraucherschutz.

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Letztlich werden die Banken härter an die Kandare genommen, weil sie groß genug sind, um die Stabilität des Finanzsystems zu gefährden. Die DeFi-Spieler erfreuen sich deutlich größerer Freiheiten, weil ihr Biotop noch so winzig ist, dass sie das Gesamtsystem nicht erschüttern können. Gerecht ist das nicht – aber sinnvoll.

Diese Erkenntnis bedeutet aber auch, dass die Regulierer flexibel bleiben müssen. Je schneller die DeFi-Welt wächst, desto stringenter muss sie reguliert werden. Und umgekehrt gilt: Je erwachsener und damit stabiler Bitcoin und Co. werden, desto eher müssen die Aufseher den Banken gestatten sie in ihr Alltagsgeschäft einzubauen.

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