Schwimmer Adam Peaty ist auf dem Weg zur Unsterblichkeit

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Nach seinem Sieg am Montag in Tokio fiel das Wort wieder: „Unvergänglich“, sagte Adam Peaty und meinte Momente wie jenen, den er kurz zuvor im Tokyo Aquatics Centre erlebt hatte. Der 26 Jahre gewann über die 100 Meter Brust die Goldmedaille, wovon im Vorfeld der Olympischen Spiele alle Experten ausgegangen waren. Peaty hat seit 2014…

Schwimmer Adam Peaty ist auf dem Weg zur Unsterblichkeit
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Nach seinem Sieg am Montag in Tokio fiel das Wort wieder: „Unvergänglich“, sagte Adam Peaty und meinte Momente wie jenen, den er kurz zuvor im Tokyo Aquatics Centre erlebt hatte. Der 26 Jahre gewann über die 100 Meter Brust die Goldmedaille, wovon im Vorfeld der Olympischen Spiele alle Experten ausgegangen waren. Peaty hat seit 2014 kein Rennen mehr über diese Strecke verloren, dass er seinen Titel verteidigen würde, galt als sichere Sache.

Doch was im Becken gleichermaßen kraftvoll wie spielerisch leicht bei Peaty aussieht, ist das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit. „Du kannst das ganze Jahr machen, was du willst. In deiner Arena zuhause oder in deinem Hinterhof – es spielt keine Rolle. Hier hingegen bedeutet es alles“, sagte Peaty nach seinem Erfolg. Zuvor hatte er sich vor den Kameras in Bodybuilder-Pose aufgebaut und die enormen Muskeln seiner tätowierten Arme in voller Spannung präsentiert.

„Menschlicher Torpedo“ wurde er aufgrund seiner Statur und seines Stils schon genannt. Während die meisten anderen Schwimmer und 40 Züge über die 100 Meter machen, sind es bei Peaty exakt 46. Dabei helfen ihm seine langen Beine und die erstaunlich beweglichen Füße, mit denen er beinahe flossenartige Bewegungen vollführt.

Peaty wandelt so nah an der Unschlagbarkeit, wie wohl kein anderer Schwimmer vor ihm. Und deswegen hat er sich ein besonderes Ziel gesetzt: Er will in seinem Sport unsterblich werden.

In Ermangelung von Gegnern sind es normalerweise die Zeiten, die Peaty im Blick hat. Die 17 schnellsten auf seiner Strecke hat alle er geschwommen. Den Weltrekord hält er derzeit in 56,88 Sekunden, im Olympia- Finale schwamm er diesmal 57,37 Sekunden, aber das war ihm danach nicht so wichtig. „Das interessiert niemanden. Klar, wäre es großartig gewesen, hier einen Weltrekord zu schaffen, aber darum geht es nicht“, sagte er.

Peaty schwimmt täglich 10.000 Meter

Dafür, dass er Siegerinterviews wie diese geben kann, tut der Mann aus dem englischen Uttoxeter in der Nähe von Derby alles. Sein Trainingsprogramm ist eine Erklärung, warum Peaty so dominant ist. Jeden Tag legt er 200 Bahnen, also 10 000 Meter im Becken zurück. Krafttraining, Eisbad und einmal in der Woche Akupunktur stehen genauso im Plan wie das regelmäßige Schröpfen, mit dem er Entzündungen vorbeugen will. Peaty nimmt rund 8000 Kalorien pro Tag zu sich – wobei fast ausschließlich Sportlernahrung auf dem Speiseplan steht.

Er profitiert von der Förderung des britischen Staates, der für die Spiele 2012 in London ein millionenschweres Programm ins Leben rief. Als Peaty Olympia seinerzeit verfolgte, wollte er selbst einmal dabei sein. Das gelang ihm in Rio, wo er erstmals Gold gewann und nun wieder. Wie viele Athleten kann Peaty hart gegen sich selbst sein. Denn auch, wenn es im Schwimmbecken nicht so aussieht – er ist nur ein Mensch.

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An einer seltenen Niederlage 2018 über die kurzen 50 Meter Brust hatte er lange zu knabbern. Er wich von seinen Routinen ab, trank auch mal ein Glas Wein und nahm an Gewicht zu. Später sprach er selbst von einem Burnout, 2019 war er zur Weltmeisterschaft aber wieder der alte, unschlagbare Sportler wie zuvor.

Dann kam das Corona-Jahr 2020. Erneut brach für ihn eine kleine Welt zusammen, als Olympia verschoben werden musste. „Es gab so viele Herausforderungen und auch einige Rückschläge“, sagte er am Montag nach seinem Triumph.

Von wegen Routine. Adam Peaty freute sich nach seinem erneuten Sieg am Montag ausgelassen über Gold.

Von wegen Routine. Adam Peaty freute sich nach seinem erneuten Sieg am Montag ausgelassen über Gold.Foto: Insidefoto/Imago

Ein weiterer war für ihn, dass in Tokio keine Zuschauer dabei sein durften. „Ohne Publikum fühlt es sich nicht wie Olympia an. Aber wenn du zurück ins Olympische Dorf kommst, tut es das dann doch“, sagte er. Er habe erst lernen müssen, sich für Rennen in leeren Hallen zu motivieren. „Aber letztlich geht es darum, seine Emotionen zu kontrollieren und Leistung zu bringen, wenn es zählt“, sagte er.

Peaty ist gereift, seit rund einem Jahr ist er Familienvater und vergaß auch nicht nach dem Sieg seinen kleinen Sohn George zuhause zu grüßen: „Er ist irgendwo da mit seinen zwei Zähnen und wird sich das alles vielleicht irgendwann anschauen und fragen: ‚Wie konnte ich das bloß schaffen.’“

Eine Frage, die sich viele Gegner wohl noch länger stellen werden. Adam Peaty hat schließlich noch viel vor auf seinem Weg zur Unsterblichkeit.

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